Was bedeutet Employer Outreach?
Employer Outreach bezeichnet die aktive, gezielte Ansprache potenzieller Kandidaten durch ein Unternehmen. Im Gegensatz zu passiven Recruiting-Methoden wie Stellenanzeigen basiert Employer Outreach auf der direkten Kontaktaufnahme mit passenden Profilen, die sich häufig nicht aktiv auf Jobsuche befinden.
Ziel des Employer Outreach ist es, frühzeitig Aufmerksamkeit zu erzeugen, Interesse zu wecken und einen Dialog mit relevanten Talenten aufzubauen. Der Ansatz wird vor allem im Kontext von Active Sourcing eingesetzt und ist ein zentraler Bestandteil moderner Talentgewinnung.
Abgrenzung zu passivem Recruiting
| Recruiting-Ansatz | Charakteristik |
| Passives Recruiting | Kandidaten bewerben sich aktiv auf Stellenanzeigen |
| Employer Outreach | Unternehmen sprechen Kandidaten gezielt direkt an |
Während passives Recruiting auf eingehende Bewerbungen angewiesen ist, ermöglicht Employer Outreach den Zugang zum passiven Kandidatenmarkt.
Ziele des Employer Outreach
Employer Outreach verfolgt mehrere Ziele im Recruiting. Dazu zählen:
- Zugang zu qualifizierten Kandidaten außerhalb aktiver Jobsuche,
- Verkürzung von Recruiting- und Entscheidungsprozessen,
- Aufbau eines relevanten Kandidatenpools.
Bestandteile eines strukturierten Employer Outreach
Ein professioneller Employer Outreach basiert auf klar definierten Schritten:
- Zielgruppen- und Profildefinition,
- Kandidatenidentifikation,
- individuelle Erstansprache,
- strukturierte Nachverfolgung.
Wechselbereitschaft und direkte Ansprache
Ein zentraler Wirkmechanismus von Employer Outreach besteht darin, dass direkte Ansprache selbst zum Auslöser von Wechselüberlegungen wird. Viele potenzielle Kandidaten befinden sich nicht aktiv auf Jobsuche, sind jedoch grundsätzlich offen für neue berufliche Perspektiven. Diese sogenannte latente Wechselbereitschaft wird durch klassische Stellenanzeigen nur eingeschränkt erreicht.
Die Studienlage belegt diesen Zusammenhang eindeutig:
forsa / XING – „Wechselbereitschaft der Arbeitnehmer in Deutschland“
Die Wechselbereitschaftsstudie wird regelmäßig von forsa im Auftrag von XING durchgeführt und öffentlich veröffentlicht. In der aktuellen Auswertung geben rund 36 % der Arbeitnehmer in Deutschland an, grundsätzlich offen für einen Arbeitgeberwechsel zu sein, auch wenn sie sich nicht aktiv auf Jobsuche befinden.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Teil des Arbeitsmarktes aus latent wechselbereiten Kandidaten besteht, die durch reaktive Recruiting-Methoden wie Stellenanzeigen kaum erreicht werden.
Universität Bamberg – Studie „Social Recruiting und Active Sourcing“
Die Universität Bamberg veröffentlichte im Rahmen der wissenschaftlichen Studienreihe Recruiting Trends eine Untersuchung zu Social Recruiting und Active Sourcing. Die Studie analysiert unter anderem das Verhalten passiver Kandidaten und kommt zu dem Ergebnis, dass direkte und persönliche Ansprache ein relevanter Auslöser für tatsächliche Jobwechsel ist.
Die Untersuchung zeigt, dass ein signifikanter Anteil passiver Kandidaten den Arbeitgeber gewechselt hat, nachdem sie gezielt angesprochen wurden, obwohl zuvor keine aktive Wechselabsicht bestand. Entscheidend ist dabei der Impuls durch die direkte Kontaktaufnahme, nicht die vorherige Suchaktivität.
Einordnung der Studienlage
Beide Veröffentlichungen zeigen übereinstimmend, dass Employer Outreach mehr ist als ein reines Reichweiteninstrument. Die direkte Ansprache fungiert häufig als Initialimpuls für Wechselentscheidungen bei qualifizierten Kandidaten im passiven Arbeitsmarkt. Employer Outreach ermöglicht es Unternehmen damit, genau jene Zielgruppe zu erreichen, die in klassischen Bewerberprozessen kaum sichtbar ist, aber einen wesentlichen Teil des verfügbaren Talentpotenzials darstellt.
Einfluss auf Recruiting-Prozesse
Employer Outreach wirkt sich direkt auf die Effizienz von Recruiting-Prozessen aus. Durch den frühen Kandidatenkontakt beginnen Auswahlprozesse häufig früher als bei reaktiven Methoden. Dies kann zu einer Verkürzung der Time-to-Hire beitragen und die Qualität von Einstellungen verbessern.
Zusammenhang mit Employer Branding
Employer Outreach beeinflusst die Wahrnehmung eines Unternehmens als Arbeitgeber. Eine professionelle und wertschätzende Direktansprache kann das Employer Branding stärken, auch wenn nicht jeder Kontakt zu einer Einstellung führt. Relevanz, Transparenz und Konsistenz der Kommunikation spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Messbarkeit von Employer Outreach
Die Wirkung von Employer Outreach lässt sich unter anderem messen über:
- Rücklaufquoten,
- Anzahl qualifizierter Gespräche,
- Auswirkungen auf die Time to Hire.
Zusammenfassung
Employer Outreach beschreibt die aktive und gezielte Ansprache potenzieller Kandidaten. Der Ansatz ermöglicht den Zugang zum passiven Kandidatenmarkt, unterstützt effizientere Recruiting-Prozesse und kann die Time-to-Hire positiv beeinflussen. Veröffentlichte Studien zeigen zudem, dass direkte Ansprache bei nicht aktiv suchenden Kandidaten häufig den entscheidenden Impuls für einen Arbeitgeberwechsel auslöst. Für eine aussagekräftige Bewertung sollte Employer Outreach stets im Zusammenhang mit weiteren Recruiting-Kennzahlen betrachtet werden.